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Gruppe 2 1518 Neudoerffer Fraktur (Version 5.000)
Fraktur nach einem Holzschnitt im "Fundament" von Johann Neudörffer dem Älteren, Nürnberg 1518.
 
Mit automatischen Liga-
turen und Kontextformen.

Die s-Formen werden durch ein integriertes Recht-
schreibprogramm gesteuert.



Alle Zeichen der Minuskel- und Majuskelgruppen (Zeilen 1-6 der nebenste-
henden Vorlage, ohne die Schnörkel) wurden vektori-
siert und stehen in der Sonderzeichentabelle zur Auswahl, nicht aber der Textblock "Miserere mei...". Automatisiert wurden lang s-Formen und Kontext-
formen.
1519_neudoerffer
Quelle:
Doede
, Werner: Bibliographie deutscher Schreibmeisterbücher von Neudörffer bis 1800,
Dr. Ernst Hauswedell & Co Hamburg 1958, S. (125), Tafel 1 oben.
Bibliographische Beschreibung S. 37 mit Datierung 1519:

"JOHANN NEUDÖRFFER DER ÄLTERE / NÜRNBERG
Als man zalt nach Christi Jenu vnnsers lieben / herrn vnnd Seligmachers geburt Tausenndt / Funnffhundert vnd
Im neunzehennden Jare / Ist dis Fundament Durch Johann Newdörffer / Rechenmaister vnd Modist zu Nurmberg
/ seinen schulern zu einer vnterweysung gemacht.

Mit Titel 4 Blatt Holzschnitte; 4°; Germanisches National-Museum Nürnberg / Beyerisches Gewerbemuseum
Nürnberg / Stadtbibliothek Nürnberg / Österreichisches Museum für angewandte Kunst Wien. - Unnumeriert.
Von den angeführten Exemplaren ist das des Germanischen National-Museums das älteste; zwar zeigt der
Titelholzschnitt, mit handgeschriebenem Initial "A", bereits eine Beschädigung des "M" in "Man" und im zweiten
"i" von "Christi", doch ist das "b" in "lieben" (alles 1. Zeile) noch unversehrt. Es sind insgesamt 14 Holzschnitte
abgedruckt; die technische Vollendung ihres Schnitts macht es wahrscheinlich, daß er von dem Formschneider
Hieronymus Andreae ausgeführt worden ist; derselbe Andreae ist es gewesen, wie Neudörffer in seinen
Nachrichten von nürnbergischen Künstlern und Werkleuten mitteilt - 1547 für Georg Römer verfaßt (nach Ausgabe Lochner, Wien 1875) -, der Neudörffers Entwürfe für die Fraktur zu einer fertigen Drucktype ausgearbeitet hat (in den Publikationen Dürers ind en 20er Jahren zum ersten Male im Druck erschienen). Die 6 Zersteuungen auf der ersten Seite sind in dem Exemplar des Germanischen National-Museums Nürnberg handschriftlich eingetragen, was Alfred Hessel, Die Schrift der Reichskanzlei seit dem Interregnum und die Entstehung der Fraktur, Nachrichten von der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen, 1937, entgangen zu sein scheint (dort Abbildung von Blatt 1 auf Tafel 2). Die Stadtbibliothek Nürnberg besitzt zwei Exemplare; diese und die Exemplare des Bayerischen Gewerbemuseums Nürnberg und des Ösetrreichischen Museums für angewandte Kunst, Wien, sind im Querformat gedruckt mit wechselnden Initialformen des "A" im Titel (Holzschnitte, später im Initialbuch von 1549 aufgenommen), und mit z.T. auch anderen Texten in verschiedenem Gesamtumfang.
Kurrent, Kanzlei, Fraktur. - Deutsche und lateinische Texte aus der Bibel; Briefsteller (für den Kanzleigebrauch).

Einige Holzschnitte sind auf einem großen Schriftmusterblatt (Pergament, datiert 1533) im Kupferstichkabinett des
Germanischen National-Museums Nünberg zusammen mit Handschriften, zum Teil farbig, abgedruckt; auch in
einigen Exemplaren der "Guten Ordnung" von 1538 (ebenfalls in Doedes Bibliographie enthalten) liegen Abdrucke,
zum Teil in Metallfarben, bei. (...) - Nach Arthur Lotz, Die deutschen Schreibmeisterbücher (...) enthielt das "Fundament" ursprünglich mindestens 6 Blatt; im Katalog Nr. 66-70 von Jacques Rosental, München, seit ein Exemplar dieses Umfanges "mit handgeschriebenen Initialen" aufgeführt (...); über die Beschädigungen der 1. Titelzeile, auch darüber, ob die 6 Zerstreuungen des Minuskelalphabets bereits im Holzschnitt erscheinen, kann nichts ausgesagt werden, solange der Verbleib dieses Exemplars unbekannt ist. Vergleiche auch Schütze (...) Nr. 341. (...)."



Nach einem Hinweis von W. Hendlmeier soll die Vorlagensammlung bereits 1518 erschienen sein. Siehe
http://www.nuernbergwiki.de/index.php/Johann_Neud%C3%B6rffer_der_%C3%84ltere.


Formenverzeichnis:
Neudörffers Holzschnitt-Vorlage
von 1518
neud_alphabet
Die entsprechenden Formen des Fonts
"1518 Neudoerffer Fraktur"
1518_oben
ergänzte Formen1518_unten

Sonderfunktionen / OpenType-Features:
Stil Set 11

nur für Deutsch! 
schriftart

Wenn im Schriftartenmenü unter "Erweitert" Stil-Set 11 aktiviert ist, werden je nach Kontext
statt dem normalen (kleinen, runden) s automatisch lang-s, die Ligaturen Doppel-lang-s,
Lang-s-t oder ß eingesetzt. Die Standard- (liga) und die kontextabhängigen Ligaturen (clig)
sollten dabei auch eingestellt sein ("alle Ligaturen").
Massstabs
A N M E R K U N G E N:
1. Massgeblich für Stil-Set 11 ist die Rechtschreibung der 7. Auflage des Dudens von 1902, die vollständig
eingearbeitet wurde. Ältere Schreibweisen werden ebenfalls 
korrigiert, aber wahrscheinlich mit einer höheren
Fehlerquote. Ungarische und schottische Dörfer sind nur bis zum Buchstaben C berücksichtigt worden.
2. Die deutsche Rechtschreibreform von 1996 wird hier ignoriert.  Sie würde zusätzlich zum scharfen s (ß) eine
lang-s-rund-s-Ligatur erfordern, die es in der Vorlage nicht gibt.
Da die Features auf einer schweizerischen Tastatur (ohne ß) programmiert wurden, kann man beim Schreiben ganz auf ß verzichten und alle Doppel-s als ss schreiben. ß wird dann im richtigen Kontext automatisch eingesetzt.
3. Die schweizerische Gewohnheit, ganz auf ß zu verzichten, führt bei Frakturschriften manchmal zu unschönen
Ergebnissen
("Massstab", "Schiessstand"). Wird trotzdem gewünscht, alles mit rund s zu schreiben, genügt es,
die Features nicht zu aktivieren.  

4. Manche Ersetzungen werden erst nach Wortabschluss (Leertaste oder Satzzeichen) ausgeführt, einige sogar
erst dann, wenn ein folgendes (oder vorangehendes) Wort einen Kontext hergestellt hat (z.B. Busse nach - Buße tun). Solche Kontextbeispiele können natürlich niemals alle Fälle abdecken; sie sind Versuchballons.
5. Nicht alle Anwendungen setzen die OpenType-Anweisungen so um, wie sie in FontLab programmiert wurden.
Word2010 z.B. führt im Gegensatz zu InDesign keine Ersetzungen direkt vor dem Trennstrich aus, weder bei
manueller noch bei automatischer Worttrennung.
6. Es gibt drei Möglichkeiten für Fehlersetzungen:
a) Fehler in der Feature-Programmierung (falsche Reihenfolge oder noch nicht erfasste Situation).
b) Inkompatibilität von OT-Befehlen mit Automatismen des Anwendungsprogramms. 
c) Mehrdeutigkeit. Es ist leider nicht möglich, dem Programm zu erklären, was ein langer oder kurzer Vokal ist;
nur die Eingabe von Wortbeispielen sowie kontextuelle Vorschriften sind möglich.
Bei bekannten Fällen wird ein
Dummy statt der s-Form eingefügt:
Masse

7. Im Fall von manuellem Override
mit Hilfe der  Zeichentabelle oder durch Tastaturkürzel kann es nötig sein, das
OpenType-Feature für den entsprechenden Bereich abzustellen. Nur ß (Alt+0223; numerisches Tastenfeld) kann
direkt eingefügt werden.


Bis dieses Feature fertig programmiert ist, werden hier hier die originalen Programmzeilen aus dem OT-Panel von
FontLab angezeigt: .txt-Datei; Version 5.000. Der Code darf in jeden beliebigen OpenType-Font kopiert werden, lässt
sich allerdings nur dann kompilieren, nachdem man einige "private" Sonderzeichen erstellt hat.


clig


für lateinisch, italienisch, englisch, französisch usw
.
Wenn die kontextabhängigen Ligaturen (clig) aktiviert sind, werden nur die folgenden s-Ersetzungen vorgenommen. Sie sollten für die meisten Sprachen außer Deutsch ausreichen.
SS11 muss in diesem Fall ausgeschaltet sein.

1. Da der Font keine lang-s-i-Ligatur enthält, wird in dieser Situation das i ohne Punkt nach lang s eingesetzt.
2. Im Wortinnern wird ss durch Doppel-lang-s ersetzt (kein ß!).
3. st wird durch die lang-s-t-Ligatur ersetzt.
4. Alle verbleibenden s im Wortinnern werden durch lang-s ersetzt.
5. Am Wortende bleibt rund-s.

Ausnahmen englisch:
vor b und k wird rundes s verwendet; ebenso vor und nach f. Die Regeln in englischen Frakturtexten sind jedoch
z.B. im 17. Jh. anders als im 18. Jh.
Ausnahmen französisch:
nach é wird rundes s verwendet;.
Nicht automatisiert: Im Gegensatz zum englischen müsste im französischen und spanischen vor h rundes s stehen.
Da in demselben Feature nicht zwei sich widersprechende Vorschriften stehen dürfen, wird der englischen Version der Vorzug gegeben. Auf Wunsch kann ein eigenes Stil-Set für französisch und ggf. andere Sprachen programmiert werden.
Ausnahmen italienisch:
Kein lang s vor Vokalen mit Akzent. Nur automatisiert für sì, sò und ssò.

Im Mittellateinischen steht prinzipiell lang s (und seine Ligaturen) im Wortinnern und rund s am Wortende. Es gibt
kein rund-s am Wortteilende. Eine allgemeingültige Orthographie dafür ist nicht bekannt.


liga Standardligaturen (liga): Wenn das Ligaturenfeature eingeschaltet ist, werden die folgenden
Buchstabenverbindungen automatisch eingesetzt. Dieses Feature sollte (wie es bei InDesign
der Fall ist) standardmässig aktiviert sein.

Echte Ligaturen sind:
bb, fb, ff, fi, fl, ft, il, ill, ll, oe, pp, sl, tt, tz.

Folgende Verbindungen werden durch die automatische Einsetzung einer Kontextvariante in "Pseudo-Ligaturen"
umgewandelt:
Il, Kl, bl, ch, cm, cn, cr, cu, em, en, er, eu, fel, ffb, ffl, hl, ib, il, kl, lb, ld, Kl, hl, kl, äl, ül, mm, nn, or, ör, pr, rd, rm, rn, rr,
ru, sb, ssi, si, xm, xn, xr, xu.

kern Kerning (kern): Dieses Feature ist gewöhnlich automatisch aktiv; bisher wurden folgende
Buchstabenpaare im Abstand korrigiert:

Wortabstand vor d und l, fd, fh, fj, fst, fs, ffb, fü, fö, f', üf, Wortabstand nach f, sb, sk, sl, 4., 5., 7., 8. (s steht hier
für langes s).

Formatierungs-Empfehlungen:

Zeilenabstand:
Wegen der lang herunterhängenden Schwänze einiger Zeichen (x, z, X usw.) wird dieser Font bei einfachem Zeilenabstand mit sehr grossen Leerräumen zwischen den Zeilen dargestellt. Es
empfiehlt sich, einen Zeilenabstand von "genau ... Punkt" einzustellen, und zwar auf einen Wert, der etwa 120-140% der Schriftgrösse entspricht (also bei einem 18 Punkt Schriftgrad etwa 22-26 Punkt).
In MS Word scheinen Teile von Buchstaben dann abgeschnitten zu sein, aber das ist nur ein
Fehler der Bildschirmdarstellung. Im Druck oder nach der pdf-Konvertierung sind diese Teile
dann wieder sichtbar.